WerkeinführungZur künstlerischen Konzeption

Die Werkeinführung kann bei Angabe der Quelle für Vorstellungen des Projekts, Presseberichte und Konzertprogramme übernommen werden.

Deutsch

„Lieder in Bildern. Naturoden in neun Liedern, zwei Betrachtungen und einer Verwünschung für Sopran und Harfe“ mit Gemäldeausstellung

Text und Musik: Markus Schönewolf
Gemälde: Ernst-Martin Heel

Die Lieder in Bildern, ein synästhetisches Gesamtkunstwerk aus Lyrik, Malerei und Musik, sind eine Ode an die Schönheit, Schönheit, wie sie sich in der Kunst, in der Ästhetik von Philosophie und Religion, in der Erhabenheit der Natur spiegelt. Der schwebend-ätherische Ton der Harfe verbindet sich mit dem reinen, hellen Klang der Sopranstimme und den hochexpressiven, großformatigen Gemälden, bringt Schönheit zum Resonieren, gießt Metaphern in konkret erlebbare Bilder und Düfte in Klang.

Hauptthema des Zyklus, ein Zyklus von großer emotionaler Wucht, existentielle, philosophische und damit verbunden naturbezogene Inhalte berührend, Hauptthema ist das ‚Wandern‘, und so wird er vielfach als jüngere Schwester der Winterreise Müllers und Schuberts wahrgenommen.

Die Bilder der Naturoden, der Gedichte also, entstammen der Mythologie, den Psalmen, dem Buch Ijob, vornehmlich jedoch Natureindrücken – Licht- und Wasserspiel, Geräusche, süßlicher Geruch der Verwesung, Stimmungen und Farben der Tageszeiten –, und so verdichten die Lieder ein ganzes Leben zu zwei Tagen – Tage des Wanderns, Staunens, Riechens, des Meditierens über Zeit und Endlichkeit, auch des Alp-Träumens – und schließlich der Auflösung.

„Lieder in Bildern“, das Thema der Komposition von Markus Schönewolf, passt direkt in zweierlei Beziehungen zu dem von ihm und dem Maler Ernst-Martin Heel konzipierten gleichnamigen Projekt: Die Bilder ergänzen und spiegeln mit den Mitteln der bildenden Kunst den musikalischen Ausdruck der Komposition. Dabei geht von Komposition und Bild direkt erlebbar eine starke suggestive Wirkung aus, vielleicht sogar gesteigert bis hin zum „magischen Erlebnis“ (Kölner Stadt-Anzeiger). Das, was man gerade zu hören meint, kann man im Bild suchen und findet es, und dennoch ist beides immer im Fluss, selbst im eher statischen Bild. So ist ‚floating‘ sicherlich ein vorherrschendes Grundprinzip in Heels Malerei: zarte Poesie, Ich-Erlebnis und kraftvoller Umbruch, Naturhaftes und Eruptives, Chaos, Mikrokosmos und Makrokosmos in der sich öffnenden endlosen Zeit. Und dennoch wird das vermeintliche Chaos gebändigt , quasi harmonisiert.

Wenn man Musik und Malerei einer rationalen Betrachtung unterzieht, wird deutlich, dass beide Künstler bemüht sind, die freien Impulse einer streng ordnenden Konzeption zu unterwerfen. Die Komposition des musikalischen Werkes und des Bildes sind erst beendet, wenn dieser Harmonisierungsprozess erreicht ist und der Maler/der Komponist es im Inneren spürt. Vielleicht entsteht dann so etwas wie Schönheit, jedenfalls etwas, das den Zuhörer/den Betrachter erreicht und mental und emotional mitnimmt.

Genau das ist es aber, was die Verbindung dieser Malerei und dieser Musik erst möglich macht. Man soll die Malerei betrachten als sei sie Musik. Die Titel der Bilder sind dabei zuweilen nur störend. Legen sie doch direkt zu viel fest und engen ein. Die Malerei soll wirken wie Musik, die Flächen, die Farben als Mittel, quasi als Töne. Der bekannte deutsche informelle Maler Professor Fred Thieler sprach hier von „korrespondierendem Erleben“ zwischen Künstler und Betrachter. Kommt es hier zu keinem Gleichklang, dann ist das durchaus zu akzeptieren, kann man sich der Komposition und dem Bild gegenüber aber öffnen, so wird es oft zum inneren Erlebnis, das wir eigentlich ja auch in der Kunst suchen.

In diesem Sinn kann man, wie oben erwähnt, die Bilder zum einen als eine Spiegelung der Musik Schönewolfs betrachten. Umgekehrt kann man aber auch genau so gut formulieren, „Lieder in Bildern“, das soll heißen: in den Bildern des Malers eröffnen sich bei genauem Betrachten unzählig viele ‚Lieder‘, die beim Sicheinlassen auf die Komposition Schönewolfs quasi Klangcharakter annehmen und uns als Musik gefangennehmen.

Das im Libretto verwendete sprachliche Bild, von Markus Schönewolf dichterisch verarbeitet, wirkt wie ein Mittler zwischen Malerei und Musik, und dennoch behält es seinen spezifisch eigenen sprachlichen Charakter.

LiederInBildern.com

English

“Songs in pictures. Naturodes in nine pictures, two contemplations and one imprecation for soprano and harp“ with an exhibition of paintings

Text and music: Markus Schönewolf
Paintings: Ernst-Martin Heel

The songs in pictures, a synaesthetic work of art with lyric, painting and music, is an ode to beauty, beauty, as reflected in art, in the aesthetics of philosophy and religion, in the sublime nature. The floating-etheric tone of the harp combines with the pure, bright sound of the soprano voice and the highly expressive, large-format paintings, brings beauty to resonance, pours metaphors into tangible images and fragrances into sound.

The main theme of the cycle, a cycle of great emotional force, touching existential, philosophical, and natural-related contents. The main theme is the ‘wandering’, and so it is often perceived as a younger sister of the Winter Journey of Müller and Schubert.

The pictures of natureodes*, poems, are taken from mythology, the Psalms, the Book of Job, but chiefly the impressions of nature, light and water, sounds, sweet smells of decay, moods and colors of the day Life to two days – days of wandering, astonishment, smelling, meditating on time and finiteness, also of the nightmares – and finally the dissolution.

“Songs in pictures”, the theme of the composition of Markus Schönewolf, fits directly into two aspects of the project of the same name conceived by him and the painter Ernst-Martin Heel: the images supplement and reflect the musical expression of the composition with the means of the fine arts. A strong suggestive effect can be experienced from composition and image directly, perhaps even increased to a “magical experience”. What one just mean to hear, one can look and find in the picture, and yet both are always in flux, even in the rather static picture. Thus ‘floating’ is certainly a predominant basic principle in Heel’s painting: delicate poetry, I-experience and powerful upheaval, natural and eruptive, chaos, microcosm and macrocosm in the opening endless time. And yet the supposed chaos is tamed, virtual harmonized.

When one takes music and painting to a rational perspective, it becomes clear that both artists are striving to subdue the free impulses of a strictly ordered conception. The composition of the musical work and of the picture is not finished until this harmonization process has been achieved and the painter/composer feels it inside. Perhaps then something like beauty, something that reaches the listener, the viewer and mentally and emotionally, emerges.

But this is precisely what makes the connection of this painting and this music possible. One should consider painting as if it were music. The titles of the pictures are sometimes only disturbing. They limit the scope and restrict. Painting should act as music, the surfaces, the colors as means, quasi as tones. The well-known German informal painter Professor Fred Thieler spoke of “corresponding experience” between the artist and the viewer. If there is no harmony here, then this is quite acceptable, but if you can open yourself to the composition and the image, it often becomes an inner experience that we are looking for in art.

In this sense, as mentioned above, one can regard the images as a reflection of the music of Schönewolf. In the paintings of the painter, on the other hand, there are innumerable ‘songs’ which, when they are admitted to the composition of Schönewolf, are quasi sound, and we feel it as music.

The linguistic image used in the libretto, poetically processed by Markus Schönewolf, then acts almost as a mediator between painting and music, and still retains its specific linguistic character.

* “Naturode” is a neologism – odes of nature.

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